Die Legende vom Geiger von Echternach [Iechternach / canton d'Echternach / Luxembourg]

Publié le 30 décembre 2025 Thématiques: 43 vues

Le violoniste devant l'échafaud
Le violoniste devant l'échafaud. Source OpenAI
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Source: Gredt, N. (Dr.) / Sagenschatz des Luxemburger Landes (2 minutes)
Contributeur: Fabien
Lieu: Une place à Echternach / Iechternach / canton d'Echternach / Luxembourg

Zu den Zeiten des bl. Willibrord war ein Jüngling aus Echternad, namens Veit, jeiner außerordentlichen Größe wegen der lange Veit genannt, ver Fürzlich zum Chriſtentum übergetreten war, mit jeiner jungen rau, die ebenfalls Chriſtin geworden, nah dem hl. Lande gepilgert. Schon waren zehn Sabre jeit ihrer Abreije verflojien, und da feinerlei Kunde von ihnen nach Echternach gelangte, jo teilten die Anverwandten, in der Meinung, fie jeien geitorben, alle ihre Güter unter ji. Groß war aljo ibr Staunen, als am Ojtertage des Jahres 729 der lange Veit plöglib in Echternach wieder auftauchte. Aber auf jeinem ſonſt jo beiteren Geſichte batte ſich Trauer gelagert; denn feine teuere Begleiterin war von den Sarazenen gemordet worden. Arm febrte er zurüd und beſaß nichts als ein ſeltſames, allen un: befauntes Inſtrument, eine Art Geige.

Als Veit jeine Güter zurüdforderte, beſchloſſen ſeine Anverwandten, ihn anzuflagen, er babe jeine ‚Srau ermordet. Tags darauf traten fie offen mit ihrer Anklage auf, und drei der Fräftigiten von ihnen erboten ſich, nach der Eitte der damaligen Zeit, durch Zweikampf die Richtigkeit ihrer Ausjage zu erbärten. Am Pfingitmontag fand der Zweikampf jtatt; Schon beim erjten Gange ward Veit zu Boden geworfen, und, des Gegners Fuß auf der Gurgel, mußte er fich für bejiegt erklären. So wurde er denn des Mordes jchuldig befunden und verurteilt, am folgenden Tage gebängt zu werden.

Veit erbat fih als leste Gnade, auf jeinem Todesgange jeine Geige mitnehmen zu dürfen; und jchon jtand er auf der Leiter, am Fuße des Hü— gels, wo beute die Pfarrkirche jich erhebt; der Galgen war umdrängt von zablreiben Zujchauern. Da erfaßte Veit den Fidelbogen und entlodte jeiner Geige jo belle Töne, daß die Menge erjtaunt und tief erjchüttert aufborchte. Auf- die Klagetöne erflang es aus dem wunderbaren njtrumente wie Schluchzen und Thränen, bei denen die Menge wie außer fi geriet, die Hände rang und irre Blide warf. Der Henker, der oben auf der Leiter jtand, wanfte, ließ das verbängnisvolle Seil fallen und mußte, da er fich nicht mebr oben zu balten vermochte, verwirrt berabiteigen.

Indeſſen jpielte Veit immer fort; unter jeinem leicht und raſch dahin: gleitenden Fidelbogen ſchienen Funken bervorzufprüben, und die wie ange: wurzelt horchende Menge umber war ganz unter dem Einfluffe des gewal: tigen Geigers, der plötzlich mildere, himmliſche Akkorde bervorzauberte : es war ein Gebet, das aus dem verzauberten Inſtrumente zum Himmel empor: ftieg. Die Zufchauer lagen auf den Knieen; Veits Lippen bewegten fich, er betete, aus jeinen großen, blauen, zum Himmel erhobenen Augen flojjen Thränen. Und Gott erhörte des armen Geigers Gebet, wandte fein Antlik ab von der verbrederiihen Menge und gab ibm feine Ankläger preis. Da plöglih, von wilder Begeijterung ergriffen, raste Veit mit dem Fidelbogen über fein Inſtrument, und hüpfende, binreißende Töne erflangen bezaubernd weithin. Wie von unſichtbarer Hand emporgehoben, jtand alles Bolt aufrecht und begann ſich im Tanze zu beivegen, anfangs ruhig und gemefjen, dann aber immer jchneller und jchneller, bis fich zulegt alles in rajendem Tanze drehte. Männer und Frauen, Greife und Mädchen, Väter und Kinder, alles tanzte. Veit? Verwandte und mit ihnen die Nichter tanzten um die Leiter, der Henker tanzte unter dem Galgen. Die von den Weidepläßen heim: eilenden Haustiere begannen ebenfalls zu tanzen. Alles, was in und um Echternach lebte, ward von der Tanziwut ergriffen.

Da ftieg, immer fivelnd, der Geiger von der Xeiter berab, jchritt dur die Menge, die unvermögend war, ibn feſtzuhalten, und entfernte jich langjam. Noch hörte man eine Zeit lang die Töne der Zaubergeige aus der Ferne erklingen, Veit aber war verſchwunden, und nie mehr bat man ihn in der Gegend wiedergejeben.

Ganz Echternach tanzte bis zum Sonnenuntergang ; die achtzehn Ver: wandten Beit3 aber tanzten, jo lautet die Sage, unabläjlig ein Jahr lang um die Leiter. Schon waren fie bis an die Kniee in die Erde hineingetanzt, als der hl. Willibrord zu Utrecht davon Kunde erhielt, jchnell berbeieilte und fie vom Zaubertanze befreite.

Nah J. Eollin de Plancy, abgedrudt in der Luremburger Zeitung, 1858, Nr. 121.


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