Das Schäferthal liegt zwischen Gebweiler und dem Bade Sulzmatt. Auf frischem Wiesengrunde erhebt sich eine schlichte Kapelle, und dabei ergießt sich ein heller Born in murmelndem Gewässer in einen moosbedeckten hölzernen Trog.
Maria, die gebenedeite Mutter des Erlösers, so lautet hier die Kunde, wartete einst auf dieser einsamen Trift eine Schafherde. Es war ein schwüler Tag, saftlos und ausgedorrt die Weide und ringsum kein Wasser für die lechzenden Tiere. Das erbarmte die göttliche Schäferin; sie schlug mit ihrem Stab auf die Erde, und alsobald sprudelte daraus ein reicher Silberquell den dürstenden Schafen zur Labe.
Noch rauscht der Quell und gibt heilsames Wasser für manche Krankheit. Der Genesung Hoffende trinkt es gläubig und tritt sodann betend vor das in der Kapelle hängende Gnadenbild, unter welchem folgende Reime stehen:
Kommt, ihr Christen, ins Schäferthal,
Kommt, ihr lieben Schäflein allzumal,
Maria eine Schäferin hier ist.
Der gute Schäfer ist Jesus Christ,
Das verlorne Schäflein er hier sucht,
Ohn Unterlaß ihm ganz freundlich ruft:
Wo bist, mein Schäflein, ach komm zu mir,
Hier im Schäferthal will warten dein.
Fürchst mich, so komm zu der Mutter mein,
Sie ist die liebe Schäferin dein,
Die bösen Tier und Wölf treibt sie ab,
Bewahrt die Schäflein mit ihrer Gnad.
Sie wird dich führen zum guten Hirt,
Bei ihm dir nichts Leids geschehen wird.
Er wird dich tragen in seinen Schafstall
Aus dem Schäferthal in Himmelssaal.
Maria, die gute Schäferin,
Wird auch sein deine Helferin,
Denn Jesus, ihr Sohn, der gute Hirt,
Seiner Mutter nichts abschlagen wird.


