Die Legende von der goldenen Henne der St.-Markus-Kapelle [Riedisheim / Haut-Rhin / France]

Publié le 2 mai 2026 Thématiques: 4 vues

Fontaine Saint-Marc de Riedisheim
Fontaine Saint-Marc de Riedisheim. Source Ville de Riedisheim
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Source: Mündel, Curt / Die sagen des Elsasses (2 minutes)
Contributeur: Fabien
Lieu: Fontaine et chapelle (disparue) Saint-Marc / Riedisheim / Haut-Rhin / France

Auf einem Hügel im Riedisheimer Bann steht mitten in den Reben eine dem Anscheine nach nicht sehr alte Kapelle, welche dem heiligen Markus geweiht ist. Im Innern derselben ist keine Spur mehr von ihrer ursprünglichen Bestimmung wahrzunehmen.

Die Kapelle, so erzählt das Volk, ist nebst dem ihr gegenüberliegenden Brunnen das letzte Überbleibsel eines großen Nonnenklosters, das vor vielen Jahrhunderten an dieser Stelle gestanden. Der Schutzpatron desselben, der heilige Markus, hatte diesem Kloster und seinen Bewohnerinnen seine Gnade in vollem Maße zuteil werden lassen, daß ihre Felder täglich ergiebiger, ihr Reichtum mit jedem Tage beträchtlicher ward. Die Rixheimer und Riedisheimer Bauern rissen sich ordentlich um den Klosterweizen, dessen Überfülle vom Schaffner alljährlich verkauft ward; denn man sagt, es sei eine ganz absonderliche Kraft darin verborgen gewesen. Zu diesem Reichtum trug außer dem Segen des Heiligen hauptsächlich eine Henne bei, welche den Nonnen täglich einen Korb voll goldener Eier legte. Kein Wunder, daß die Klosterfrauen am Ende inmitten solchen Überflusses ihrem Gelübde untreu wurden, sich weltlichen Genüssen hingaben und Tag und Nacht ein gottvergessenes Leben führten. Wo so frech gesündigt wird, da bleibt des Himmels Strafe nicht aus. Ein furchtbares Erdbeben zerstörte das Kloster nach einer wild durchschwelgten Nacht, und von all dem Reichtum blieb nichts übrig als die kleine Kapelle und der gegenüberliegende, halbverfallene Brunnen, an dessen Rand der müde Feldarbeiter Mittagsruhe hält.

In einer gewissen Nacht und zu einer gewissen Stunde wird es jährlich einmal laut im Kapellchen. Man hört trippeln und rauschen, huschen und stöhnen, und „Gluck! Gluck! Gluck!“ schallt es vernehmlich durch die offenen Fenster. Das ist die Klosterhenne, die ihre goldenen Eier legt. Der verspätete Wanderer, der den Mut hat, das Kirchlein zu dieser Stunde zu betreten, darf die Eier ohne Widerstand auslesen und sie mit nach Hause nehmen. Doch muß er sich nicht irre machen lassen durch die gespenstige Nonne, die da herumspukt und ihn mittels allerlei Flausen und Gaukeleien aus dem Stegreife bringen würde, hätte er nicht die Vorsicht, während des Eierlesens drei Vaterunser laut vor sich hin zu beten. Greift er das Werk auf diese Weise an, so ist er von Stund an ein reicher Kauz.

Ein Bäuerlein, das noch lebt, wurde, als es in seiner Jugend einmal spät abends von Mülhausen nach Rixheim wanderte, von einem furchtbaren Gewitter überfallen, so daß es den Entschluß faßte, dasselbe in dem Kapellchen, vor dem es eben vorbeiging, abzuwarten. Es war gerade die rechte Nacht und die rechte Stunde. Denn bei dem grellen Leuchten des Blitzes sah der Bauer die unschätzbare Henne, die mit ihrem lieblichen „Gluck! Gluck! Gluck!“ auf einem vollen Eierkorbe saß und ihn mit klugen Augen anschaute. „Gluck! Gluck! Gluck!“ jubelte jener im Übermaße seines Entzückens. Aber als er eben keck zugreifen wollte, erfolgte eine furchtbare Ohrfeige auf die linke Backe. Dabei fühlte er ganz deutlich, wie ihm jemand die Schuhe von den Füßen löste, und ehe er sich von seinem Schrecken erholen konnte, befand er sich, er wußte nicht wie, auf der Straße nach Rixheim und lief barfuß, als wäre die ganze Hölle hinter ihm los, seinem Hüttchen zu. Der Tor hatte vergessen, das Vaterunser zu beten. Am andern Morgen beim hellen Sonnenschein wagte er es abermals, die Kapelle zu besuchen: die Henne war nebst Korb und Eiern spurlos verschwunden; aber in einer Ecke standen, ganz mit Wasser angefüllt, die ihm am vorigen Abend abhandengekommenen Schuhe. So arg hatte die boshafte Nonne dem armen Bäuerlein mitgespielt.

Diese Nonne spukt auch sonst noch auf dem Rixheimer Feldpfade und treibt allerhand Kurzweil mit dem arglosen Wanderer. Dem einen versperrt sie die Straße mit Dornen und Hecken, den andern führt sie auf Irrwege. Gelingt es jedoch dem Verirrten, ein Kreuz mit beiden Armen zu umfassen — und zum Glück gibt es deren viele in jener Gegend —, so verschwindet der Spuk, und er befindet sich bald wieder auf dem rechten Wege.


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