In der Christnacht eines jeden Jahres zeigt sich auf dem Rappoltsteinischen Schlosse St. Ulrich ein weißes Fräulein, welches einige Male um das Schloss herumwandelt; sodann bleibt es am Tore stehen, dessen Schlüssel es in der Hand hält. In demselben Augenblicke kommt vom Zellenberger Schlosse ein Ritter angesprengt, welcher das Fräulein erlösen will; allein er vermag es nicht, da dies nur von einem Lebenden geschehen kann.
Sowie ihn die Jungfrau kommen sieht, schlägt sie den Schleier ums Gesicht und schließt das Tor hinter sich zu.
Wenn aber einmal ein Lebender es wagte und die auf dem Banne haftenden Bedingungen erfüllen könnte, so würde die Jungfrau erlöst werden, und all die reichen Schätze, die in dem Schlosse verborgen sind, würden ihm zufallen.


