Wenig bekannt ist eine alte Skulptur, die in dem Stalle eines Privathauses an der Stadtmauer von Reichenweier eingemauert ist. Sie stellt einen Mann dar, der einen schweren Sack trägt. An diese Gestalt knüpft eine Reichenweierer Lokalsage an.
Im Dreißigjährigen Kriege umlagerten einst, im Jahre 1635, die Feinde die Stadt, ohne die starken Mauern und den festen, trotzigen Sinn der Bürgerschaft brechen zu können. Da erbot sich ihnen ein „Zellenberger Bürgersmann“ und versprach, ihnen zu nächtlicher Stunde eine schwache, unbewachte Stelle der Mauer zu weisen.
Der Anschlag gelang. Die Feinde brachen unaufhaltsam nachts in die schlafende Stadt ein und übergaben sie der Plünderung. Der Berg, von dem aus sie eindrangen, heißt noch jetzt der Armenberg, weil Reichenweier damals arm wurde.
Als die Feinde wie ein Sturmwind vorübergebraust waren und die Bürgerschaft der hart mitgenommenen Stadt wieder aufatmete, gelang es, den verräterischen Nachbarn zu fangen. Man hielt Gericht über den Unglücklichen, verurteilte ihn und mauerte ihn lebendig an der Stelle der Stadtmauer ein, die durch seinen Verrat vom Feinde erstiegen worden war.
Zum ewigen Angedenken und zur Warnung wurde an der Stelle das Bildnis des Mannes eingehauen, wie er mit dem schweren Geldsacke, dem Lohne seines Verrats, davoneilt.


