In der Christnacht, um die Mitternachtsstunde, fährt jedes Jahr eine große, mit vier Rappen bespannte Kutsche den jähen Berg herab, auf welchem das Schloss Hoh-Rappoltstein liegt. Sie rollt durch die Hauptstraße der Stadt, am Schützenhause vorbei, auf der Straße nach Gemar hin. Niemand sitzt darin, und kein Kutscher lenkt die Rosse. Nach zwei Uhr kehrt sie jedes Mal wieder denselben Weg zurück und weckt die Schläfer durch ihr unheimliches Rasseln auf.
Ein Knabe, der einst noch spät einen Auftrag in dem benachbarten Gemar zu besorgen hatte, traf die Kutsche auf seinem Rückweg an, und da er müde war und ihn in der kalten Nacht gewaltig fror, bat er, man möchte ihn doch einsteigen lassen. Er bekam zwar keine Antwort, allein die Pferde hielten still; der Schlag ging auf und wieder zu, nachdem der Knabe in die Kutsche gestiegen war.
Er mag wohl eingeschlafen sein. Nachdem ihn aber die Eltern die ganze Nacht hindurch vergeblich gesucht hatten, fand man ihn am folgenden Morgen in den Ästen einer hohen Pappel sitzend und vor Frost klappernd. Wie er da hinaufgekommen war, konnte er niemandem sagen.


