Die Legende von der Rückkehr des Bräutigams von Richweiler [Richwiller / Haut-Rhin / France]

Veröffentlicht am 3. Mai 2026 Themen: Apparition , Chapelle , Cimetière , Disparition , Mariage , Mort , Temps qui passe , 7 vues

Eglise Sainte-Catherine de Richwiller
Eglise Sainte-Catherine de Richwiller. Source Richwiller mairie, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons
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Source: Mündel, Curt / Die sagen des Elsasses (moins d'1 minute)
Contributeur: Fabien
Ort: Eglise Sainte-Catherine / Richwiller / Haut-Rhin / France

Auf dem Schuttplatze, welcher die Stelle des ehemaligen Gutleuthauses von Mülhausen bezeichnete, stand noch zu Anfang dieses Jahrhunderts die Sankt-Katharinen-Kapelle. In derselben sollte einst ein Hochzeitspaar getraut werden; aber siehe, als man eben über die Schwelle des Gotteshauses treten wollte, war der Bräutigam von der Seite der Braut verschwunden. Vergebens sah sie sich nach ihm um, rief ihn beim Namen und fiel endlich, von übergroßem Schmerze bewältigt, in Ohnmacht nieder. Alles kam in Bestürzung. Man suchte und suchte, in der Kapelle, in der Nachbarschaft, in allen Straßen der Stadt, in der Umgegend; kein Mensch wollte den jungen, angesehenen und beliebten Bürger erblickt haben, und auch weder die tiefbetrübte Braut noch irgend jemand sah ihn bei Lebzeit wieder.

Hundert Jahre nach diesem Vorfalle kam ein junger Wandersmann in festlicher, aber veralteter Tracht zum Baseltor hereingeschritten. Er war über und über mit Staub bedeckt, was um so auffallender war, da es schon einige Tage anhaltend geregnet hatte. Seine Rede glich zwar der Mülhauser Mundart, allein er gebrauchte Wörter und Wendungen, die schon lange außer Gebrauch gekommen waren.

Der Torwächter führte ihn, da er aus seinen Fragen und Reden nicht klug werden konnte, aufs Rathaus. Er nannte daselbst seinen Namen, der einem bekannten, aber in Mülhausen ausgestorbenen Geschlechte angehörte, und fragte nach seiner Braut und seinen Anverwandten. Niemand konnte ihm Bescheid geben. Endlich erinnerte sich ein alter Mann, daß man ihm einmal in seiner Jugend das seltsame Begebnis von einem verlorenen Bräutigam erzählt habe, das sich zugetragen haben sollte, als sein Vater noch in die Schule ging. Man schlug in den Gemeindebüchern nach und fand das Ereignis auch in der Tat darin aufgeschrieben.

Der altertümliche Bräutigam gestand nun, daß an seinem Hochzeitstage beim Eintreten in die Kirche plötzlich der Gedanke in ihm aufgestiegen sei: wie wird’s wohl in hundert Jahren bei uns aussehen und wer wird’s erleben? Da habe ihn dann plötzlich alles Bewußtsein verlassen, und wie alles Übrige gegangen sei, wisse er nicht.

Die Umstehenden waren voll Erstaunen über diese Erzählung und bemitleideten den armen, vereinsamten Mann von Herzen. Nun wünschte er sehnlich, das Grab seiner Braut zu besuchen. Man begleitete ihn auf den Kirchhof und fand nach langem Suchen das verwitterte Kreuz, unter welchem sie ruhte. Er warf sich alsobald auf den Rasen nieder und sank vor den Augen der Anwesenden in Staub und Asche zusammen.


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