Zu Ernzen, jo berichtet die Volksjage, lebte vor langer Zeit ein Mann, welcher in der Zauberkunft jebr hewandert war. Derjelbe machte ſich das Vergnügen, die Leute in Echternach dur feine Kenntniffe und Künfte zu neden und zu jchreden.
Bejonders hatte er es auf den Abt der Abtei Echternach abgefeben. Bald rollte er als ſchwarzes Knäuel, bald lief er als flinfer Hafe über die Brüde, der Burgmauer entlang, auf Ummegen der Abtei zu. Hier fraß er, zum größten Nerger des Abtes, die jchönften Blumen des Gartens ab, oder rollte geräufchvoll über die Treppen, um den Abt in jeinem Gebete zu ftören. Nicht zufrieden damit, jprang er.bebende auf das große Doppelfenter, bei welchem der Abt in einem großen Buche las, langte dann mit jeiner Border: pfote durch das balbgeöffnete Fenjter und jchlug dem Abte das Buch zu; war der Abt abmwejend, jo warf er ihm alle Bergamente durcheinander und machte jih dann wieder aus dem Staube.
Des Unfugs müde, jann der Abt auf eine Liit, um des Störenfriedes los zu werden. Eines Abends jtellte er fih, mit einem langen, jcharfen Meier bewaffnet, jcheinbar betend, ans balbgeöffnete Fenfter und erwartete den Hafen. Eben als es vom Turme der Abtei Mitternacht ſchlug, ſah er ihn im Mondichein daher fommen. Seiner Gewohnbeit gemäß, jprang der Haje aufs Feniter, um dem Abte einen Schabernad zu jpielen. Aber kaum batte er jeine Pfote durchs Fenſter geftredt, al3 der Abt ibm dieſelbe mit jeinem Meſſer abbieb. Winfelnd und jchreiend verließ der Haje die Abtei und lief auf Ernzen zu.
Seitdem er aber feine Pfote verloren, muß er ewig Haſe bleiben, und fommt jedes Jahr am 31. Dezember, am Sylveſterabend, in die Abtei, um ſeine verlorene Pfote wiederzuſuchen. Manche alte Leute behaupten, den drei— beinigen Haſen an dieſem Tage in den Abteigärten oder an den Burg— mauern geſehen zu baben.*)


