Die Legende von der weißen Frau der Fecht [Ingersheim / Haut-Rhin / France]

Publié le 2 juillet 2026 Thématiques: 0 vue

La Dame Blanche de la Fecht
La Dame Blanche de la Fecht. Source OpenAI
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Source: Mündel, Curt / Die sagen des Elsasses (2 minutes)
Contributeur: Fabien
Lieu: Bord de la Fecht à Ingersheim / Ingersheim / Haut-Rhin / France

1) Auf dem Allmendrain zwischen der Fecht und dem Mühlwasser von Ingersheim sieht man oft schon in der Dämmerstunde ein weißes Mädchen im Grase und am Ufer des Baches spielen. Ein Kind aus dem Dorfe, welches nichts von dieser Erscheinung wußte, sollte eines Abends Enten, die sich am Bache verspätigt hatten, nach Hause treiben, und sah plötzlich das weiße Mädchen immer einige Schritte vor ihm herhüpfen. Das Kind rief es an: „Komm, hilf mir die Enten suchen!“ Das weiße Mädchen wandte sich aber um und gab keine Antwort.

Da das Kind die Enten nicht finden konnte, lief es nach Hause und brachte seinen älteren Bruder mit, um ihm suchen zu helfen. Beide sahen das weiße Mädchen im Grase sitzen. Sobald sie ihm zu nahe kamen, sprang es auf, hüpfte über das Brückchen beim Stellbrett und verlor sich in den Reben. Nach einigen Augenblicken huschte es aber wieder hervor, hatte einen weißen Schleier über dem Kopfe und faltete die Hände über der Brust.

Nun wollte der Knabe sich ihm nähern und rief ihm zu: „Wem gehörst du denn, Maidel? Geh' doch heim, 's hat ja schon Nachtglock' geläutet.“ Da er aber keine Antwort erhielt und das Mädchen, seiner gleichsam spottend, vorwärts hüpfte, nahm er einen Stein und warf nach ihm; allein derselbe flog in einem Bogen über seinen Kopf weg, und alsobald verschwand das Mädchen im Boden, und zweimal hörten die Geschwister an demselben Platze mit heller Stimme „Gäll! Gäll!“ rufen. Der Stein hatte aber eine der am Graben schlafenden Enten getroffen, welche nun flügelschlagend und schnatternd heimwärts eilten.

Nach der Aussage der Kinder hüpfte oder schwebte vielmehr das weiße Mädchen immer in kurzen Sätzen eine Strecke weit über der Erde hin.

2) Ein andermal, zur Abendzeit, ging ein Mädchen über die große Fechtbrücke, wo's auch sonst nicht geheuer ist; da kam das weiße Mädchen an ihm vorüber, schlug ihm ins Gesicht und seufzte: „Ach, warum hast du mir nicht Gut Nacht gewünscht!“ Darauf hat es ihm noch etwas gesagt, das aber das Mädchen ums Leben niemandem anvertrauen will, und hat es gebeten, den folgenden Abend wieder zu kommen. Die Mutter, eine beherzte Frau, ging mit ihm. Als sie an der Stelle angekommen waren, wo sich die Erscheinung des vorigen Tages gezeigt hatte, fielen sie nieder und beteten drei Vaterunser und drei Ave Maria; es kam aber nichts. Allein von dieser Zeit konnte das Mädchen nichts Weißes mehr anblicken, ohne in Furcht zu geraten und manchmal selbst die heftigsten Zuckungen zu bekommen.


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